Carl Friedrich Benz (1844-1929) bild-carl-benz-coloriert

Am 25. November 1844 wird Carl Benz als Sohn eines Lokomotivführers in Karlsruhe geboren. Der Vater verstirbt schon zwei Jahre nach Karls Geburt. Trotz begrenzter finanzieller Mittel sorgt die Mutter für eine gute Ausbildung des Sohnes. Dieser besucht das Gymnasium und studiert danach an der Polytechnischen Hochschule in Karlsruhe. Dem Studium folgt ein zweijähriges Praktikum bei der „Karlsruher Maschinenfabrik“. Seine erste Anstellung erhält Carl Benz in Mannheim bei der Firma Schweizer (Herstellung von Dezimal-Fuhrwerks- und Waggonwaagen). In dieser Firma wird er zu Beginn des Jahres 1867 zum „Zeichner und Konstrukteur“ ernannt. Im Januar des Jahres 1869 geht Carl Benz nach Pforzheim. Sein Arbeitgeber sind die „Eisenwerke und Maschinenfabrik“ Gebrüder Benckiser, die sich vor allem am Bau von Brücken beteiligt. Dieser Anstellung folgt ein kurzes Intermezzo in Wien, ebenfalls bei einem Unternehmen in der Eisenkonstruktion.

Schwieriger Start

Zurück in Mannheim lernt Carl Benz den Mechaniker August Ritter kennen. Am 9. August 1871 kaufen beide als Partner einen einfachen Holzschuppen und nennen sich „Carl Benz & August Ritter, Mechanische Werkstätte“. Bald gerät Carl Benz in finanzielle Schwierigkeiten und steht kurz vor dem Ruin. Seine Frau Bertha lässt sich daraufhin ihre Mitgift vorzeitig auszahlen und erlaubt Ihrem Mann die Schulden zu begleichen und seinen Partner auszukaufen.

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Carl Benz & August Ritter, Mechanische Werkstätte, Mannheim

Carl Benz, Mannheim, Eisengiesserei und mechanische Werkstätte

Carl Benz kann nun das Unternehmen unter der Bezeichnung „Carl Benz, Mannheim, Eisengießerei und mechanische Werkstätte“, später auch „Fabrik für Maschinen zur Blechbearbeitung“ genannt, alleine weiterführen. Anfänglich laufen die Geschäfte von Carl Benz ausgesprochen schlecht, sogar die wichtigsten Werkzeuge werden wegen Zahlungsunfähigkeit gepfändet. In dieser Zeit beschäftigt sich Carl Benz noch intensiver mit Zweitaktmotoren. In der Silvesternacht des Jahres 1879 läuft sein neuer Motor zum ersten Mal. Benz erhält für die Vervollkommnung seines Zweitaktmotors mehrere grundlegende Patente, wie beispielsweise für die Drehzahlregulierung. Zur Zündung benutzte er seine neu entwickelte Batteriezündung.

Carl Benz entwickelt den Differentialantrieb und andere Kraftfahrzeugelemente wie die Achsschenkellenkung, die Zündkerzen, die Kupplung, den Vergaser, den Kühler mit Wasser und die Gangschaltung.

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Aktie der Gasmotorenfabrik in Mannheim 1882

Umwandlung in die Gasmotorenfabrik in Mannheim

1882 lernt Carl Benz den „Hofphotographen“ Emil Bühler kennen, der in seine Werkstatt gekommen war, um sich eine polierte Stahlplatte anfertigen zu lassen. Bühler interessiert sich sehr für den „Benz Motor“. Als die Hausbank wegen der misslichen finanziellen Lage bald darauf die Umwandlung seiner Firma in eine Aktiengesellschaft verlangt, ist Bühler zu einer finanziellen Beteiligung an der Firma bereit. Gleichzeitig wird der Namen in Gasmotorenfabrik in Mannheim geändert.

Emils Bruder wird Chef der neuen Firma. Carl Benz ist lediglich mit 5 Prozent beteiligt und fungiert lediglich als einer der Direktoren. In den Werkshallen dieser Gesellschaft laufen nun die ersten Verbrennungsmotoren von Carl Benz. Seine Teilhaber versuchen, Benz Auflagen für seine Konstruktionen zu machen: Benz will ein umfassendes Fahrzeug entwickeln, bei welchem der Motor und das Fahrgestell aufeinander abgestimmt sind. Die Brüder Bühler hingegen wollen sich auf die Produktion von Motoren konzentrieren und haben auch sonst wenig Verständnis für Carls Visionen. Enttäuscht verlässt Benz das junge Unternehmen bereits wieder zu Beginn des Jahres 1883. Ohne ihn hat die Gesellschaft nur noch Bestand bis 1894.

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Benz Patent-Motorwagen Nr. 1 – Das erste Automobil der Geschichte

Der Neuanfang – die Benz & Cie

Carl Benz findet bald andere finanzielle Unterstützung von den Geschäftsleuten Max Rose und Friedrich Wilhelm Esslinger. Gemeinsam gründen sie im Oktober 1883 die Firma die „Benz & Cie., Rheinische Gasmotorenfabrik Mannheim“. Benz kann sich nun ungestört der Entwicklung seines Wagenmotors widmen. Endlich finanziell gesichert, beginnt er mit der Konstruktion eines ganzheitlich konzipierten Fahrzeugs, in das sein Viertakt-Benzinmotor integriert ist, dies ganz im Gegensatz zu Daimler, der seinen ersten Motor in eine Kutsche einbaut.

1885 schreibt Carl Friedrich Benz Industriegeschichte. Er baut den „Benz Patent-Motorwagen“, das erste „Automobil“ der Geschichte, ein dreirädriges Fahrzeug mit Verbrennungsmotor und elektrischer Zündung. Dieses hat 0,8 PS (0,6 kW), die Höchstgeschwindigkeit beträgt 16 km/h. Das komplexe Problem der Lenkung umgeht Benz durch den Bau eines dreirädrigen Fahrzeugs. Der Wagen ist vorn einrädrig, so dass eine Übersetzung der Lenkung über eine Achse entfällt. Im Januar 1886 meldet Benz dieses Fahrzeug beim Reichspatentamt zum Patent an und stellt es zum ersten Mal in Mannheim der Öffentlichkeit vor. Für seine Erfindung des dreirädrigen „Selbstbeweglichen“ bzw. „Automobils“ erhält Benz ein deutsches Reichspatent. Französische, englische und amerikanische Patente folgen in kurzen Abständen.

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Patentschrift 37435 – Motorwagen Nr. 1

In der Öffentlichkeit stösst sein Fahrzeug zunächst eher auf Ablehnung und Unverständnis. Es wird als „ein Wagen ohne Pferde“ belächelt. Andererseits meint jedoch der Generalanzeiger der Stadt Mannheim im September 1886, „dass dieses Fuhrwerk eine gute Zukunft haben wird“, weil es „ohne viele Umstände in Gebrauch gesetzt werden kann und weil es, bei möglichster Schnelligkeit, das billigste Beförderungsmittel für Geschäftsreisende, eventuell auch für Touristen werden wird“.

Die couragierte Ehefrau schafft den Durchbruch

Als der bereits patentierte Motorwagen nicht die erhoffte Aufnahme beim zahlenden Publikum fand, setzt Bertha Benz am 5. August 1888 ohne Wissen ihres Mannes ihre beiden Söhne Richard und Eugen in den Wagen und fährt 106 Kilometer von Mannheim nach Pforzheim. Diese erste erfolgreiche Überlandfahrt mit dem Wagen trägt wesentlich dazu bei, die noch bestehenden Vorbehalte der Kunden zu zerstreuen und ermöglicht in der Folge den wirtschaftlichen Erfolg der Firma.

Schon im selben Jahr wird das neuartige Gefährt („Vollständiger Ersatz für Wagen mit Pferden!“) durch die Teilnahme an der Münchner „Kraft- und Arbeitsmaschinenausstellung“ über die Grenzen Deutschlands bekannt. Benz führt sein Fahrzeug täglich zwei Stunden vor. Obwohl die Presse begeistert berichtet und das Preisgericht der Ausstellung sein Automobil mit der Großen Goldenen Medaille prämiert, finden sich keine Käufer. Eine weitere Verbreitung des Automobils beginnt erst in Frankreich. 1889 werden die neuen Benz-Modelle auf der Pariser Weltausstellung gezeigt. Aber auch diese erfüllt seine finanziellen Hoffnungen noch nicht.

Endlich – der Erfolg !

Benz befasst sich daraufhin mit der Konstruktion seines ursprünglich geplanten vierrädrigen Fahrzeugs. Es gelingt ihm jedoch erst 1892/93 eine „Wagenlenkvorrichtung mit tangential zu den Rädern zu stellenden Lenkkreisen“ als Patent anzumelden. Weitere technische Verbesserungen und die Rationalisierung der kaufmännischen Organisation verhelfen Benz nun endlich zu einem finanziellen Erfolg. 1896 werden sogar schon mehrzylindrige Motoren hergestellt.

Benz & Cie Rheinische Gasmotoren Fabrik AG

Die Produktion wird mehr und mehr zum Erfolg. Damit steigt aber jedoch auch der Kapitalbedarf. Deshalb wird die Firma 1899 in eine AG mit dem Namen „Benz & Cie Rheinische Gasmotoren Fabrik AG“ umgewandelt, an der Benz zu einem Drittel beteiligt ist. Benz & Cie ist um die Jahrhundertwende der grösste Hersteller in Deutschland und mächtigster Konkurrent von Gottlieb Daimler.

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Teil-Schuldverschreibung 4½% der Benz & Cie., Rheinische Gasmotoren-Fabrik, 1. April 1909: Das Automobil stellt den vom Chefkonstrukteur Marius Barbarou entwickelten „Parsifal“ dar. © Auktionshaus Tschöpe

Ab 1901 verschlechtert sich der Absatz der Automobile deutlich. Daimler kann sich mit dem von Maybach konstruierten Mercedes durchsetzen. Am 24. Januar 1903 beendet Carl Benz seine Tätigkeit in der Firma, tritt aber in den Aufsichtsrat ein. Er scheidet jedoch im April dieses Jahres gänzlich aus dem Unternehmen aus, weil die Geschäftsleitung eine Gruppe französischer Konstrukteure um Marius Barbarou in die Firma verpflichtet, welche der Mercedes-Konkurrenz von Daimler etwas Gleichwertiges entgegensetzen sollen.

Aber auch die neue Baureihe „Parsifal“ verbessert die Situation des Unternehmens nicht grundlegend. Nachdem die Geschäftsleitung und auch Barbarou aus dem Unternehmen ausscheiden, wird Benz Aufsichtsratsvorsitzender. Nun wird durch den neuen Konstrukteur Hans Nibel die Modellpalette nochmals völlig überarbeitet. Nun stellt sich auch der Erfolg wieder ein. Benz & Cie stellt vorwiegend Fahrzeuge der Ober- und Luxusklasse her. Bekannt werden auch die Rennfahrzeuge.

Im Jahre 1911 erfolgt die Umfirmierung in

Benz & Cie., Rheinische Automobil- und Motoren-Fabrik.

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Benz & Cie., Rheinische Automobil- und Motoren-Fabrik, 4½% Teil-Schuldverschreibung Mannheim 1912 © Auktionshaus Tschöpe

Carl Benz gründet 1906 mit seinen Söhnen in Ladenburg die Firma Carl Benz & Söhne, die sich auf den Fahrzeugbau spezialisiert. 1914 verleiht die Technische Hochschule Karlsruhe Carl Friedrich Benz den Ehrendoktortitel.

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Daimler-Motoren-Gesellschaft Stuttgart-Untertürkheim, Aktie 1000 Mark, Stuttgart-Untertürkheim 1920  © Auktionshaus Tschöpe

Gottlieb Daimler kann den Aufschwung der Motorisierung und den endgültigen Durchbruch seiner Idee nicht miterleben. Er stirbt im Jahr 1900. 1926 vereinigten sich die Firmen „Benz & Cie., Rheinische Gasmotorenfabrik Mannheim“ und „Daimler-Motoren-Gesellschaft“ zur „Daimler-Benz AG“. Hauptsitz wird Berlin.

Am 4. April 1929 stirbt Carl Benz im Alter von 84 Jahren in Ladenburg.

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Aktie der Daimler – Benz AG

Es ist wohl mehr als ein bemerkenswerter Zufall, dass sich in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts und praktisch nur einen Steinwurf voneinander entfernt, zwei Erfinder, Carl Benz und Gottlieb Daimler, erfolgreich mit der automobilen Fortbewegung beschäftigten.

Obwohl die beiden völlig verschiedene Lebenswege haben und unterschiedliche berufliche Voraussetzungen mitbringen, schaffen sie doch ein und dasselbe:

Sie erfinden das Automobil, eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte.

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Während Benz einen Fahrzeugtyp entwirft, bei dem Motor und Fahrgestell eine Einheit bildeten, legt Daimler den Schwerpunkt auf die Entwicklung des Motors.

Aber wohl noch erstaunlicher ist, dass sich diese beiden zeitlebens nie persönlich begegnet sind.

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Ein Kommentar zu „Die Erfindung des Automobils

  1. Wow, es ist echt erstaunlich, wie aus so einer kleinen Sache, so etwas Großes werden kann. Man sollte mehr an sich glauben und seinem Erfindergeist freien Lauf lassen, dann kann man alles schaffen!

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